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Evangelische Kirchengemeinde Hilden/ Rheinland – Erlöserkirche
Die Große Weihnachtskrippe
Anschauliche Heilsgeschichte, Glaubensbotschaft, tiefe Symbolik und liebevolle Details




Schweine

Auch wer von Religion und insbesondere dem Judentum fast nichts weiß, kann doch oft sagen, dass Juden (und in ihrem Gefolge später auch Muslime) kein Schweinefleisch essen und sie Schweine für unrein halten.

Bei der Betrachtung der Kategorien Rein/Unrein muss man zunächst einmal zwei Missverständnisse ausschließen. Es geht dabei ursprünglich weder um eine hygienische noch um eine moralische Kategorie, sondern um die Frage des Heiligen und Profanen. Reinheit ist die Voraussetzung für die Nähe Gottes, für seinen Segen; Reinheit ist nicht das Heilige selbst aber sie steht für die Möglichkeit sich Gott zu nähern. Reinheit bildet damit „die Grundvoraussetzung zur Kommunikation mit der Götterwelt“.
Im dritten Buch Mose im 11. Kapitel werden die Tiere genannt, die als unrein angesehen werden und solche, die rein sind, also verzehrt werden dürfen und als Opfertiere dienen. Bei den Landtieren gibt es dafür zwei Kriterien: sie müssen Paarhufer und Wiederkäuer sein. Das Schwein erfüllt aber nur eine Bedingung für reine Tiere: Es gehört zwar zu den Paarhufern, aber nicht zu den Wiederkäuern.

In der Geschichte Israels und Umgebung muss man allerdings feststellen, dass Schweine durchaus verzehrt wurden:
In Ägypten waren Schweine wichtige Schlachttiere und wurden in großen Herden gehalten, die zum Teil auch den Tempeln gehörten. Dennoch waren sie wenig geachtete Haustiere, was wohl mit der religiösen Tabuisierung des Schweines zu tun hatte. Die ägyptische Medizin setzte Teile der Tiere bei verschiedensten Erkrankungen ein.
Auch für Israel sind aus der Bronze-, sowie die Eisenzeit (also zwischen 3000 und 600 vor Christus) mehrfach Knochenfunde von Schweinen in unmittelbarer Nähe von Wohnbereichen belegt, die zudem Hack- und Schnittspuren aufweisen. Dadurch lässt sich eine profane Verwendung (zur Gewinnung von Fleisch, Fett, Leder und Borsten) der meist jungen Tiere annehmen. Die Haltung erfolgte wohl weniger in Herden und auf Weiden, eher innerhalb der Siedlungen in kleiner Anzahl, wo sich die Allesfresser zugleich bei der Beseitigung von Abfällen nützlich machen konnten.
In hellenistischer Zeit schließlich wird der radikale Verzicht auf Schweinefleisch zum Zeichen für die Zugehörigkeit zum Judentum. In den Makkabäerbüchern wird die Anordnung von Schweineopfern daher genauso wie der Zwang zum Essen von Schweinefleisch ein Sakrileg, dem viele sogar den Märtyrertod vorzogen.

Das Schwein ist im Judentum so zu einem „besonders unreinen“ Tier geworden. Auch Pferd und Hund sind ja unrein, aber es gibt doch Schaukelpferde oder Plüschhunde als Spielzeug für Kinder. Ein rosa Plüschschwein, wie bei uns durchaus vorhanden, wäre aber für das Judentum völlig undenkbar. Wieso besteht so eine Abscheu vor dem Schwein?
Von einem Rabbiner gibt es folgende Deutung: für reine Tiere bedarf es ein äußeres, sofort sichtbares Kennzeichen (Paarhufer) und ein inneres nicht wahrnehmbares (Wiederkäuer). Das Schwein sieht danach von außen zwar rein aus, ist es aber innerlich nicht. Die spätere, weisheitlich beeinflusste Deutung von rein/unrein greift mit einem ethischen Ansatz: Der Mensch soll nicht äußerlich vorgeben fromm zu sein, wenn er es innerlich nicht ist.

Im Neuen Testament wird verschiedentlich auf Schweine Bezug genommen. Die Unreinheit von Schweinen spielt in der Geschichte der Heilung eines Besessenen (Mk 5,11 ff und die Parallelen bei Mt und Lk) eine Rolle, wenn erzählt wird, dass der aus einem Besessenen ausgetriebene Dämon in eine große Schweineherde fährt. Solche von Hirten betreute Herden waren in der hellenistisch beeinflussten Dekapolis (10 Städte Bund) keine Seltenheit, da Schweine im griechisch-römischen Bereich auch kultisch wichtig waren. Wichtig ist zudem der Hinweis darauf, dass das Wappentier der zehnten römischen Legion ein Eber war. Die Heilung des Besessenen erhält vor diesem Hintergrund vielleicht noch eine politische Dimension. Der böse Geist sagt von sich, er heiße „Legion“, Jesus erlaubt ihm daraufhin, in die Schweineherde zu fahren, die sich anschließend ins Meer (gemeint ist der See Genezareth) stürzt. Dadurch wird das Übel im Chaosbereich Meer versenkt, was zur Heilung des Besessenen führt.

Unklar ist die Deutung des Verses Mt 7,6 (vgl. auch das im deutschen Sprachraum seit dem Mittelalter nachgewiesene Sprichwort von „Perlen vor die Säue werfen“). Im Hintergrund könnte stehen, dass das unreine Schwein nun tatsächlich als Inbegriff des Verabscheuten in manchen Texten zur Metapher für Heiden wurde. Der Vers würde dann davor warnen, die Perlen (= das Gesetz) den Heiden zu übergeben. Andererseits kann der Spruch auch als bildhafte Mahnung zu rechtem Verhalten verstanden werden, wobei zwischen Hund und Schwein ein Kontrast hergestellt wird: Wenn man Hunde, die sonst nicht gefüttert werden, mit besonderem Fleisch (Opferfleisch) verwöhnt, den Schweinen aber, die sonst reichlich gefüttert werden, etwas vorsetzt, das sie – wenn auch noch so wertvoll – nicht fressen können, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Tiere dadurch gereizt werden und Menschen anfallen und zerreißen bzw. die Perlen in den Dreck treten.



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Weideschweine




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